Metal Hammer Paradise 2019

Auch dieses Jahr sind wir wieder zum Metal Hammer Paradise Indoor-Festival gefahren. Das übersichtliche Festival findet immer an zwei Tagen im November im Ferienpark „Weißenhäuser Strand“ direkt an der Ostsee statt. Man ist in Apartments, Bungalows oder, wenn man will, sogar im Hotel untergebracht. Aufgrund der weiten Reise verlängern wir den Aufenthalt immer um zwei Nächte und genießen einen zusätzlichen „Wellness- und Erholungstag“.

Freitag

Den musikalischen Auftakt am Freitag bilden Motorowl aus Thüringen. Die junge Band hat sichtlich Freude an ihrem Auftritt und liefert einen tollen Gig in der komplett gefüllten Riffalm. Die „Riffalm“ ist ein kleines Rondell, in der immer die kleinen Bands und Newcomer zu sehen sind. Tatsächlich fanden dort dieses Jahr die Konzerte statt, die ich am spannendsten fand.

Motorowl
Motorowl

Vor Motorowl waren wir noch zur Autogrammstunde bei Khemmis um uns die LP signieren zu lassen. Die Band aus Denver, Colorado spielen ihren Doom im Anschluss an Motorowl ebenfalls im Rondell. Nachdem diese Venue nach den Konzerten zum Umbau immer geräumt wird (weil sie so klein ist) haben uns also sofort wieder angestellt und waren somit die ersten in der Warteschlange. Dort bekommen wir bald Gesellschaft von zwei Typen, die Khemmis ebenfalls unbedingt live erleben wollen und es entsteht ein munteres Fachsimpeln und kultureller Austausch zwischen Schwaben, Sachsen und Franken.

Khemmis
Khemmis

Khemmis, die bereits bei der Autogrammstunde sehr sympathisch wirkten, liefern dann ein richtig gutes, energiegeladenes Konzert ab. Wir erleben die Band hautnah aus der ersten Reihe und ich muss ein paar Mal den Kopf einziehen um nicht den Gitarrenhals an die Birne zu bekommen, wenn Phil am vordersten Bühnenrand stehend wieder umschwenkt. Es ging richtig gut ab, man war durchgeschwitzt und glücklich. Umwerfend – im wahrsten Sinne des Wortes, als die Menge hinter uns etwas entgleist und uns mit zu Boden nimmt.

Der nette Herr begrüßt die Besucher der Hauptbühne
Der nette Herr begrüßt die Besucher der Hauptbühne

Danach gibt es nichts Interessantes mehr für uns. Die beiden Konzerte waren jedoch so gut, dass wir mit dem Konzerttag schon sehr zufrieden sind. Wir schauen dennoch kurz bei Rage vorbei, die als Ersatz für die verhinderten Primal Fear auftreten und vor allem die Alten Tage zelebrieren.

Furchtbar dagegen der Freitags-Headliner, Steel Panther. Keine Ahnung, was die Jungs vom Metal Hammer geritten hat, diese Band als Headliner ins Billing zu nehmen. Das Publikum war offensichtlich der gleichen Meinung. Kaum Applaus, dafür Pfiffe und Buh-Rufe für die arrogante Band aus Los Angeles.

Samstag

Graues, regnerisches Wetter lädt zu einem ausgedehnten Frühstück ein, bevor mit den Burning Witches, einer Frauenformation aus der Schweiz, die im sexy Outfit klassischen Heavy Metal spielen, der Konzerttag beginnt.

Danach Grand Magus auf der Maximum Metal Stage im Zirkuszelt, das wir jedoch nach einer halben Stunde wieder verlassen, um wieder in die Riffalm zu gehen. Dort wollen wir Mister Misery, eine junge Band aus Stockholm sehen, die in markantem, prächtigen Gothic-Undead Outfit auftritt.

Mister Misery
Mister Misery

Mister Misery machen uns Spaß, die Musik ist einzigartig, modern und abwechslungsreich (mal verspielt, mal „brettig“) und die Show etwas für’s Auge. Die Posen der Musiker erinnern immer wieder an Geisterbahnfiguren, deren Arme und Beine an Fäden zu hängen scheinen. Dazu die tiefschwarzen Kontaktlinsen des Gitarristen. Man kommt sich vor, wie in einem Tim Burton-Film.

Danach haben wir erstmal Pause bis zur Autogrammstunde von Amorphis. Auch hier wieder schöne Gespräche mit anderen Fans, sowie dem älteren Herren von der Security. Wir lassen uns zwei LPs unterschreiben. Gerade in der „Queen of Time“ wirken die Unterschriften mit weißem Edding auf die Portraits geschrieben richtig gut.

Von Sacred Reich hören wir leider nur den ersten Song, da sich das Konzert überschneidet und wir weiter wollen, schade – das neue Album gefällt mir nämlich ziemlich gut, aber…

Amorphis
Amorphis

…ich muss zu Amorphis , die einladen, uns in ihren kraftvollen Songs und wunderschönen Melodien zu verlieren. Diese betörende Mischung aus warmen Growls und Klargesang von Tomi Joutsen gibt (bzw. gab) es m. Mn. nach nur noch bei Mikael Åkerfeld, Opeth.

Ein Traum, wir sind umgeben von lauter glücklichen Metalheads. Die Band spielt einen guten Mix aus Klassikern und neuen Stücken. Das Publikum ist vertieft in die Musik, Handies bleiben weitgehend in der Tasche.

Auf dem Rückweg noch ein kurzer Blick zu Destruction, die das letzte Konzert des Abends auf der mittleren Bühne, dem Baltic Ballroom geben. Da wir auch den Samstags-Headliner, Powerwolf aktiv vermeiden, legen wir einen kurzen Abstecher zum Appartment ein (zum Bier holen) und stürzen uns dann lieber in die Aftershow-Party. Die DJs des Ballroom, Hamburg, geben einen bekannten Metal-Kracher nach dem anderen und man kann nochmal so richtig abmoshen.

Fazit

Schön war’s. Das Metal Hammer Paradise ist sehr familiär, ich schätze mal ca. 4000 Leute, so dass man ständig denkt: „Hey, den hab’ ich doch schonmal gesehen“. Man kommt schnell ins Gespräch und trifft immer wieder alte Bekannte. A propos alt… es kommt eher die ältere Generation zu diesem Festival – was wohl auch an dem Komfort liegt, den die dortigen Unterkünfte bieten.

2 Gedanken zu “Metal Hammer Paradise 2019”

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